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Individuale Wohnstil
Der Wohnungsstil sollte die eigene Individualität und Persönlichkeit widerspiegeln dürfen, wie schon der Grafikdesigner und Typograf Helmut Schmid wusste Foto: vilkass/Pixabay

Zeitlose Einrichtungsstile mit kultiviertem Ambiente:

Sie sind in eine neue Wohnung gezogen oder haben Ihr altes Haus renoviert und sind jetzt noch auf der Suche nach dem passenden Einrichtungsstil? Oder wollen Sie einfach nur frischen Wind in Ihr Zuhause bringen? Wir haben einen Überblick beliebter Einrichtungsstile und Wohntrends zusammengestellt: vom kühlen Norden bis in den mediterranen Raum, vom cleanen Industrial-Look bis hin zum farbenfrohen Boho-Eklektizismus, von Art déco bis Landhausstil. Unter diesen Looks ist sicher auch für die Einrichtung Ihrer vier Wände die passende Inspiration dabei.

Funktional, geradlinig und klar, so lieben die Dänen, Schweden, Norweger und Finnen ihre Einrichtung. Auch hierzulande gibt es immer mehr Fans des Skandi-Stils, einer Designbewegung, bei der die Liebe zur Natur im Vordergrund steht. Tatsächlich baut nordisches Design fast ausschließlich auf Naturmaterialien wie heimischen Hölzern und Rattan sowie Leinen, Baumwolle und Leder auf, die mit schlichten Farben wie Weiß, Grau oder Beige ergänzt werden. Akzente werden beim Einrichten der Wohnung lediglich mit hellen Pastelltönen oder – bei echten Skandi-Liebhabern – mit Designobjekten wie Stühlen, Leuchten sowie spezieller Deko gesetzt. Seit ein paar Jahren ergänzen zwei neue Interior­trends den Look: Bei „Hygge“ aus Dänemark dreht sich alles um Wärme und Geborgenheit, und beim schwedischen „Lagom“ wird darauf geachtet, die richtige Balance zu halten und einem bewussten, ressourcenschonenden Lebensstil zu folgen. Die klassischen Wohntrends aus dem hohen Norden sind nicht nur praktisch und sehr gemütlich, sondern lassen sich auch gut mit anderen Einrichtungsstilen kombinieren.

Ob in Cafés, Strandbars oder auf Hochzeiten, der Boho-Look ist allgegenwärtig und hält in den letzten Jahren immer häufiger Einzug in die eigenen vier Wände. Seinen Ursprung hat Boho, die Kurzform von „Bohémien“, im Frankreich des 17. Jahrhunderts und bezeichnete einst die unkonventionelle Lebensweise der fahrenden Völker aus Böhmen. Nachdem im 19. Jahrhundert zunächst aufständische Künstler den ungezwungenen Stil adaptierten, griffen vor allem die Hippies viele der typischen Elemente auf. Heute bezeichnet Boho, genau wie der Eklektizismus, einen sehr vielseitigen Einrichtungsstil, bei dem fast alles erlaubt ist. Neue Möbel dürfen mit Vintage-Flohmarktfunden gemischt werden, sodass nicht selten sechs verschiedene Stühle an einem großen Tisch stehen. Bei der Deko liegt der Fokus auf unbehandelten Naturmaterialien wie Holz, Rattan, gemütlichen Stoffen aus Baumwolle, Mohair und Leinen sowie die sich daraus ergebenden Farben Beige, Braun und Olive. In der Wohnung können Akzente leicht mit strahlendem Gelb, Blau und auffälligen Ethnomustern, wilden Fransen und schillernden Stickereien gesetzt werden. Einfache Handarbeitstechniken wie Batik und Makramee erlauben eigene DIY-Projekte wie Hängematten, Wandteppiche oder Blumenampeln, sodass der Boho-Stil am Ende vor allem eins ist: persönlich und individuell.Was haben eine ibizenkische Finca, ein Landhaus in der Provence und die kleinen weißen Häuser der griechischen Inseln gemeinsam? Richtig, die Wohnung ist entspannt, rustikal und vor allem sehr einladend eingerichtet. Wer auch in Deutschland nicht auf die südländische Gelassenheit und das maritime Urlaubsfeeling verzichten möchte, kann sich den mediterranen Look ganz einfach nach Hause holen: die Grundlage bilden helle Farben wie Weiß, Beige und erdige Töne wie Olivgrün, Terrakotta sowie Ocker, die mit frischen Farbtupfern aus warmen Gelb, Orange und Azurblau ergänzt werden können. Zu den beliebtesten Materialien gehören neben Ton, Bast und Leinen auch regionale Hölzer des Oliven- oder Pinienbaums. Für den Boden und die Wände eignen sich bunte Mosaiksteine oder handgefertigte Zellige-Fliesen besonders gut. Und was natürlich auch nicht fehlen darf, ist farbenfrohe Keramik-Tableware sowie mediterrane Pflanzen und Kräuter, die sich nicht nur als Deko, sondern auch perfekt zum Kochen eignen.

Als der lässigste unter den Einrichtungsstilen gilt der Industrial-Look, ein Trend, der in den 1960er-Jahren eher aus einer Not heraus entstand und auch heute noch von seiner Unvollkommenheit lebt. Denn unverputzte Ziegelwände, freiliegende Rohre und Stahlkonstruktionen werden nicht wie gewohnt in der Wohnung versteckt, sondern ganz bewusst beim Einrichten in Szene gesetzt. In Kombinationen mit unbehandeltem und dadurch patiniertem Holz, rissigem Leder sowie rauem Beton entsteht ein entspannter Used-Look mit Werkstatt-Flair, der besonders bei Männern gut ankommt. Wer aber trotzdem nicht auf Wohnlichkeit verzichten will, kann mit Fellen und farbigen Samtkissen in dunklen Rost-, Grün- oder Blautönen nachhelfen. Als Farbtupfer dienen außerdem pflegeleichte Pflanzen wie Kakteen, bunte Gläser sowie ein alter Perserteppich oder Blechschilder vom Flohmarkt. Und auch bei den Möbeln darf Alt mit Neu gemischt und zudem gern selbst Hand angelegt werden: Mit gebrauchten Stahl- oder Kupferrohren lassen sich ganz einfach Garderoben und Regale bauen.

Genug vom grauen Großstadtdschungel? Mit Möbelstücken und Accessoires im Landhausstil lässt sich der gemütliche Cottage-Charme, der seinen Ursprung im Großbritannien des 17. Jahrhunderts hat, auch in die Stadt holen. Denn besonders in alten Wohnungen und Häusern verbergen sich hinter Wandverkleidungen nicht selten wahre Landhausschätze wie Holzbalken oder Backsteine, die nur darauf warten, freigelegt zu werden. Und auch die Einrichtung darf ein paar Jahre auf dem Buckel haben, denn für den ländlichen Look sind kleine Makel sowie Gebrauchsspuren erlaubt und sogar erwünscht. Neben Flohmarktfunden aus Massivholz, im Originalzustand oder nachträglich weiß lackiert, dürfen also auch lieb gewonnene Erbstücke wie Bilderrahmen, Tischdecken oder die Vase der Großmutter einziehen. „Very british“ wird’s mit einem Teeservice, gerne mit floralem Muster, oder einem Chesterfield-Sofa. Verspielt einrichten funktioniert auch mit gemütlichen Leinenkissen, neuen Bezügen oder Füßen, sogar die altbewährte Couch lässt sich nachträglich noch im Landhausstil stylen.

Luxuriös, aber keineswegs aufdringlich, auf jeden Fall aber ganz viel Gold – so in etwa lässt sich der Art-déco-Look in wenigen Worten zusammenfassen. Seinen Ursprung fand der glamouröse Stil in den späten 1920er Jahren in Paris – genau genommen mit der Weltausstellung des Kunstgewerbes und des Industriedesigns im Jahr 1925 – und ist eine Antwort auf die Goldenen Zwanziger und die Weltwirtschaftskrise. Dabei geht es vorwiegend um ausdrucksstarke Kontraste, sowohl stilistisch, als auch in Sachen Fertigung: schimmernder Marmor trifft glänzendes Metall, produziert wurde vorwiegend industriell. Neben Schwarz und Weiß prägen vor allem satte Juweltöne die Farbpalette – ob als Akzent, oder all-over. Was in keinem Art-déco-Interieur fehlen darf? Goldene Lüster, und Samt – ganz viel Samt!

Eine Frage, die zur Lebensaufgabe werden kann, ist die, wie man den perfekten Einrichtungsstil findet. Doch das muss es nicht, wenn man sich Schritt für Schritt an die große Herausforderung herantastet. Der Beginn ist stets: eine gute Recherche. Die verschiedenen Einrichtungsstile inklusive Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu kennen, macht es wesentlich leichter, eine Entscheidung hinsichtlich des Interieurdesigns im eigenen Zuhause zu treffen. Denn der Wohnungsstil sollte die eigene Individualität und Persönlichkeit widerspiegeln dürfen, wie schon der Grafikdesigner und Typograf Helmut Schmid wusste: „Gestaltung ist Haltung.“ Auch verschiedene Einrichtungsstile zur stimmigen Angelegenheit zu verbinden ist möglich, jedoch kein leichtes Unterfangen – es sei denn, man hält sich an folgende Richtlinien: Beim Mixen von Farben sollte man sich auf zwei Grundtöne einigen, eine Dritte kann als akzentuierendes Element integriert werden. Mehr als drei Nuancen wirken jedoch schnell überladen. Mehr zum Thema bietet unser Buchtipp. Lassen Sie sich inspirieren und legen Sie los! OH

Boho-LookFoto: pexels/pixabay
Der Boho-Look ist allgegenwärtig und hält in den letzten Jahren immer häufiger Einzug in die eigenen vier Wände

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